P. Oliver Ruggenthaler, Guardian der Franziskaner in Wien und Leiter von „Franz Hilf“, steht in stetigen Austausch mit seinen Mitbrüdern in der Ukraine, weiß, wie es ihnen geht – und noch viel wichtiger – erfährt so, wie er sie bestmöglich, auch von Österreich aus, mit „Franz Hilf“ unterstützen kann. Im Podcast der Ordensgemeinschaften Österreich erzählt er u.a. von seinen Mitbrüdern, die in der Ukraine geblieben sind. So zum Beispiel P. Augustin, der in Kiew mit den Menschen in den Kellern ausharrt. „Ein Weggehen kam für ihn nicht in Frage.
‚Bleib bei uns‘, baten die Leute. Seine Anwesenheit gab ihnen Trost und Hoffnung.“
P. Oliver Ruggenthaler selbst machte sich gleich zu Beginn des Krieges mit Mitbruder P. Elisäus Hrynko, der russisch sowie ukrainisch sprach und selbst lange in der Ukraine gelebt hatte, mit einem ersten Hilfstransport auf den Weg an die slowakisch-ukrainische Grenze. „Es war schlichtweg ergreifend, dieser Lage ausgesetzt zu sein.“ Bei der Heimfahrt nahmen die beiden Patres zwei ukrainische Frauen mit ihren beiden Kindern mit, die unter dramatischen Umständen gerettet wurden. „Sie sind jetzt privat in Maria Enzersdorf gut untergekommen“, freut sich der Guardian der Franziskaner in Wien.
Etwa 110 Franziskanern in der Ukraine sind bewusst in der Ukraine geblieben, um zu helfen. Die Franziskaner sind schon seit vielen Jahren in der Ukraine tätig, noch vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. Diese Verbundenheit sei jetzt ein unschätzbarer Vorteil. „Wir können auf ein starkes Netzwerk zurückgreifen, nicht nur zu unseren Mitbrüdern oder Mitschwestern, sondern auch Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, mit denen wir auch in der Vergangenheit viel zu tun hatten“, schildert P. Oliver, der die Hilfsorganisation „Franz Hilf“ seit 2013 leitet.
Aktuell helfen die Franziskaner auch von Österreich aus. Mitbrüder schicken ganze Listen voller Dinge, die gebraucht werden, an „Franz Hilf“. „Das versuchen wir dann, so schnell wie möglich zu beschaffen und in die Ukraine zu transportieren.“ Deswegen helfen zurzeit vor allem monetäre Spenden, damit zielgerichtet Dinge in größeren Mengen eingekauft werden können. „Oft geben Firmen Rabatte“, bemerkt P. Oliver, dankbar über jede Unterstützung.
Woher nehmen die Ordensmänner in der Ukraine die Kraft, um anderen zu helfen und dabei auch oft ihr Leben riskieren? „Ich weiß von meinen Mitbrüdern und Mitschwestern, dass sie nicht groß nachdenken. Sie sind gefordert im Jetzt, im Heute und im Konkreten. Damit halten sie Angst, Not und Verzweiflung, auch für die Menschen dort, im Zaum“, erklärt P. Oliver Ruggenthaler und ergänzt: „Und natürlich trägt uns auch das Ordenscharisma, der christliche Glauben, auch wenn das fast kitschig klingt. Aber was soll einem da sonst tragen, angesichts des Leids und der Zerstörung? Hier müsste ja fast Hass aufkommen. Aber unseren Mitbrüdern und Mitschwestern gelingt es, eben mit diesem täglichen Gefordertsein, diese Gefühle auf die Seite zu schieben. Und das ist gut so.“
Um nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Hilfe in Mittel- und Osteuropa gut zu koordinieren, gründeten die Franziskaner unter P. Ulrich Zankanella 1994 die Hilfsorganisation „Franz Hilf“, heute eine der größten Ordenshilfswerke in Österreich. Seit 2013 leitet es P. Oliver Ruggenthaler. Mittlerweile ist „Franz Hilf“ in mehr als 80 Ländern aktiv. Mit dem Spenden werden weltweit Projekte der Franziskaner unterstützt.