In den römisch-katholischen Pfarren in Wien und im Osten Niederösterreichs haben am vergangenen Sonntag rund 77.000 Katholikinnen und Katholiken ihre Vertreterinnen und Vertreter für die kommenden fünf Jahre gewählt. Auch Kinder und Jugendliche waren stimmberechtigt.
Bei der Wahl ist vieles so eingetreten, wie es vorhersagbar war. Mit jeder Wahl seit 1992 sank die Wahlbeteiligung um rund 1% auf zuletzt 9,42% im Jahr 2017. Angesicht der Veränderungen in den Gemeinden rund um die Corona-Pandemie ist eine diözesane Wahlbeteiligung von 7% daher nicht überraschend. Die Diözese ist natürlich nicht einheitlich und somit unterscheidet sich die Wahlbeteiligung in Niederösterreich mit 10,64% von 3,79% in der Stadt Wien und in den einzelnen Pfarren von 0,51% bis zu über 100% der Wahlberechtigten.
„Dass nach den Durststrecken der Pandemie heuer weniger Menschen wählen gegangen sind, soll uns nicht schrecken. Es soll vielmehr den Pioniergeist anstacheln, so dass in vielen Pfarren Gottes Nähe und Güte auf neue Weise spürbar wird. Das ist die Hoffnung, die ich den zahlreichen Menschen mitgeben möchte, die heute gewählt worden sind“, sagt der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn. „Menschen, die einen wachen Blick für die ganz konkreten Sorgen und Hoffnungen ihrer Umgebung haben und aus dieser Haltung heraus das Gemeindeleben mitgestalten und mitbestimmen – das ist ein Segen für viele und ein großes Geschenk für die Kirche. Danke und vergelt’s Gott!“
„Unser Dank geht an alle, die in den Pfarren eine erfolgreiche Abwicklung der Wahl ermöglicht haben, besonders an die vielen Ehrenamtlichen. Den frisch gewählten Pfarrgemeinderäten wünschen wir viel Freude und Erfolg in ihrem Engagement. Wir werden sie nach Kräften unterstützen“, sagt Markus Beranek, Leiter des Pastoralamts der Erzdiözese Wien.
In 38% Prozent der Pfarren gab es eine Briefwahl, die auch von rund jedem zehnten Wähler genutzt worden ist. Der Anteil der Frauen und Neuen im Kreis der gewählten Mitglieder ist wie erwartet konstant geblieben. Es zeichnet sich ein Frauenanteil von 58% ab und 41% der gewählten Personen sind neu im Pfarrgemeinderat.
In den kommenden Wochen werden sich die neuen Pfarrgemeinderäte konstituieren, Verantwortlichkeiten zuordnen und sich an die Arbeit machen. Für die nächsten fünf Jahre gibt es viele Aufgaben und Herausforderungen zu bewältigen. Es gilt, Kirche nach zwei Jahren Pandemie und spürbaren Umbrüchen in der kirchlichen Praxis neu mit Leben zu füllen. Menschen, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Auseinandersetzung mit dem Leben und Glauben haben, sollen einen sicheren Ort, kompetente Begleitung und ansprechende, bereichernde Angebote vorfinden.
Die unierten, katholischen Ostkirchen hatten in all ihren Pfarren Österreichs ebenso ihre Wahlen zum Pfarrgemeinderat geplant – diese mussten auf Grund der aktuellen Ukraine-Krise abgesagt werden. Die ukrainische Gemeinde in Wien ist eine zentrale Anlaufstelle und leistet mit bewunderungswürdigem Einsatz Betreuung und Hilfe für geflüchtete Menschen. Auch daran zeigt sich, wie wichtig die aktive Mitverantwortung aller Kirchenmitglieder für die Verwirklichung der Sendung der Kirche ist. Die Wahlen werden zu gegebener Zeit nachgeholt werden.