Knapp 30.000 Personen werden am 20. März in den katholischen Pfarren Österreichs zu Vertretern der Gläubigen gewählt, rund 15.000 weitere werden auch künftig ihres Amts wegen den Pfarrgemeinderäten (PGR) angehören. Die hier Engagierten erfüllen eine unverzichtbare Aufgabe: Sie sind "Menschen mit Feldkompetenz", hat die Sprecherin der PGR-Referentinnen und -Referenten Österreichs, Klaudia Achleitner, in der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag" (aktuelle Ausgabe) dargelegt. "Pfarrgemeinderäte kennen ihre Gemeinden und die Menschen, die hier leben. Sie sind bereit, den Lebensraum zu gestalten und Glaubensräume für die Menschen zu öffnen", so die Expertin, die an alle Wahlberechtigten appellierte: "Gehen Sie wählen und unterstützen Sie damit die Kandidatinnen und Kandidaten Ihrer Pfarre!"
Das große Wissen über den Ort und seine Menschen berge ein hohes Potenzial, "das Erneuerung ermöglichen, begleiten, betreiben und schaffen kann", unterstrich die Theologin. "Mit den Menschen und nicht für die Menschen den Lebensraum gestalten und damit Glaubensräume öffnen", das sei eine der Aufgaben. Pfarrgemeinderäte seien wichtige Akteure der Veränderung, wobei sich zwar die Inhalte der christlichen Botschaft nicht verändert hätten, "sehr wohl aber das 'Wie': Wie wir mit den Menschen darüber ins Gespräch und damit in Kontakt kommen. Wie wir Feste und Feiern gestalten", verdeutlichte Achleitner.
Auch in einer Pfarre könne man schnell erkennen, ob sie veränderungsfähig sei, wobei nicht in jeder Pfarre "das gleiche Programm gefahren werden kann". Achleitner empfahl diesbezüglich allen Pfarren einen "Selbsttest": Wenn man versuche, die Perspektive der anderen einzunehmen, deren Räume betrachte, deren Pfarrbriefe lese, deren Veranstaltungen und Gottesdienste besuche und sich dann frage: "Würden Sie da Lust bekommen, mitzumachen und mitzugestalten? Hätten Sie da den Eindruck, gefragt und gewollt zu sein?"
Man könne die Rechnung nicht ohne die Menschen machen, "die in unseren Pfarren leben", betonte die Fachfrau. "Wenn in einer Pfarre keine jungen Familien wohnen, nützen die besten Familiengottesdienste nichts, und die Suche nach jungen Ministranten wird enden wollend sein." Pfarrgemeinderäte, "die ihr Ohr und ihr Herz nah an den Sorgen und Ängsten, Freuden und Hoffnungen der Menschen haben, sind mittendrin und können mit ihnen gemeinsam Lebensräume gestalten und Glaubensräume öffnen", so Achleitners Überzeugung.
Nähere Einblicke in das Selbstverständnis der Pfarrgemeinderäte hat eine im Herbst durchgeführte Befragung gegeben, an der sich 3.000 Gemeindevertreter beteiligt haben. Wichtig sei den Pfarrgemeinderäten und -innen vor allem, durch ihr Engagement "Kirche als Gemeinschaft erfahrbar machen", so laut Achleitner eines der zentralen Ergebnisse. Sie verstehen sich als "Arbeitsgremium", doch werde öfters auch eine Veränderung hin zu einem "Entscheidungs-und Leitungsgremium" gewünscht - besonders deshalb, da das hauptamtliche Personal in den Pfarren künftig zurückgehen dürfte. Am PGR geschätzt wird von den hier Aktiven besonders "der kleine Rahmen, wo man sich noch kennt und miteinander in Kontakt kommt".
Die Suche nach gemeinsamen Wegen sowie Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung zeigten sich in der Umfrage als wichtigste Motive für das Engagement im PGR. Je 90 Prozent fanden, der PGR sei "sehr wichtig" für das kirchliche Leben der Pfarrgemeinden, hier werde "für die Kirche am Ort etwas bewegt" und es würden "Richtungsentscheidungen" gefällt. Knapp jeder zweite will die christliche Botschaft spürbar machen und etwas tun, "damit der Glaube lebt", zudem wird als wichtige Aufgabe auch die Umsetzung gemeinsamer Projekte gesehen. Das Ehrenamt werde in der Kirche vor Ort künftig noch wichtiger werden, meinten vier von fünf Befragten.