Seit 24. Februar 2022 herrscht erstmals seit fast 77 Jahren wieder Krieg in Europa. Das meiste, was bis dahin als selbstverständlich galt, geriet „über Nacht“ ins Wanken. Angesichts der unübersichtlichen politischen und gesellschaftlichen Dynamik breiten sich je nach Charakter Gefühle von Erschütterung, Zorn, Ohnmacht und Angst aus. Fragen kommen auf: Was kann ich tun? Kann ich überhaupt etwas tun?
Wir haben Weihbischof Stephan Turnovszky vor der griechisch-katholischen Kirche St. Barbara in der Wiener Postgasse getroffen. Sie ist seit 300 Jahren Zentrum der ukrainischen Katholiken in Österreich. Der relativ beengte Platz vor der Kirche hat sich in den letzten Tagen zu einem Zentrum der Hilfsbereitschaft entwickelt. Von hier aus gehen ständig private Spendentransporte an die ukrainische Grenze. Mitten in diesem Geschehen formuliert der Wiener Weihbischof vier Hinweise, wie wir mit dieser Situation umgehen können.
Die erste Möglichkeit drängt sich fast von selbst auf: konkret durch Geld- und- soweit das sinnvoll ist- Sachspenden Hilfe zu leisten. Darüber hinaus, so Turnovszky, ist für Gläubige das Gebet „etwas Wirkmächtiges.“ Das Gebet um Ende des Krieges, um Frieden, gerade auch zusammen mit Freunden und Bekannten. Ein gemeinsames Gebet, das sich an die Verheißung Jesu hält, dass er selbst gegenwärtig ist, wo sich zwei oder drei in seinem Namen versammeln. Der Krieg kann aber auch ein Anstoß sein im persönlichen Leben Konflikte im Gespräch, gewaltfrei im ehrlichen Interesse füreinander und mit Einfühlungsvermögen zu lösen. Schließlich aber solle jeder auch auf sich selbst achten, besonders in Hinblick auf das Ausmaß und die Menge an Information, die/sie sich zumuten kann und will.
„Meine Hoffnung ist“, so Turnovszky, „dass diese furchtbare Katstrophe in der Ukraine eine große Welle an Empathie und Hilfsbereitschaft auslöse, uns nicht kalt lasse, sondern dazu beitrage, dass wir mehr zusammenrücken und andere Wege gehen.“