Im Rahmen der Missbrauchsaufarbeitung hat ein Fall aus der Erzdiözese Köln die Erzdiözese Wien erreicht. Wie die „Bild-Zeitung“ in ihrer Ausgabe vom Dienstag berichtet, würde ein Priester, gegen den in seiner Heimatdiözese Köln ein kirchliches Verfahren mit dem Vorwurf des Missbrauchs von Jugendlichen läuft, in Wien die Heilige Messe zelebrieren.
Der Erzdiözese Wien war bisher nicht bekannt, dass sich der Priester in Wien aufhält und offenbar hier von seiner Ordensgemeinschaft gelegentlich zur Messzelebration herangezogen wurde. Erst aus den Medien erfuhr die Erzdiözese gestern, dass gegen den Priester in Köln ein kirchenrechtliches Verfahren wegen Missbrauchsvorwürfen läuft. Aufgrund des derzeitigen Wissensstandes hat der Generalvikar der Erzdiözese Wien daraufhin unverzüglich ein Betätigungsverbot für den Priester im Gebiet der Erzdiözese Wien erlassen. Entsprechend der Rahmenordnung der Österreichischen Bischofskonferenz ist das keine Vorverurteilung, sondern eine Vorsichtsmaßnahme, die bis zu einer Klärung der Vorwürfe gilt.
Offenbar hält sich der Priester immer wieder in Wien auf, wo er privat wohnt. Bei der Erzdiözese hat er sich nicht gemeldet, wohl aber bei einer Ordensgemeinschaft, der er als Familiare angehört. Dort wusste man lediglich über einen alten Vorwurf aus dem Jahr 2001, nichts aber vom aktuell in Köln laufenden kirchenrechtlichen Verfahren. Der Kirchenrektor der Ordenskirche, dem der Priester eine entsprechende Erlaubnis seiner Heimatdiözese Köln vorweisen konnte, hat diesem gestattet, gelegentlich in der Deutschordenskirche zu zelebrieren. Eine weitere Beschäftigung oder Beauftragung ist der Erzdiözese nicht bekannt, ebenso wenig Beschwerden oder Vorwürfe aus der nunmehr ohnehin untersagten Tätigkeit in Wien.